Walsmann: Potential einzigartiger Bauwerke Erfurts ungenutzt

„Europaweit werden historische Festungsbauten wiederbelebt und sind touristische Magnete. Der Petersberg als „Stadtkrone“ Erfurts fristet demgegenüber ein trauriges Dasein, trotz zahlreicher Förderangebote und ehrenamtlichen Initiativen. Die Prioritäten sind absolut falsch gesetzt. Erfurt sollte sich jetzt mit der Zitadelle Petersberg am europäischen Festungssommer beteiligen und mittelfristig die Verbindung von BUGA und Festungstourismus anstreben. Die Optionen sind vorhanden“, sagte Stadträtin Marion Walsmann mit Blick auf den kürzlich eröffneten europäischen Festungssommer 2018.

Die Zitadellen Petersberg und Cyriaksburg zählen zu den markantesten Bauwerken ihrer Art in Europa. Eine fachkundige touristische Vermarktung führt zu steigenden Besucherzahlen und Einnahmen für Stadt und Gewerbetreibende. Das zeigen nicht zuletzt die Beispiele Mainz und Kronach. Diese Städte sind Mitglied im Europäischen Kooperationsprojekt „Forte Cultura“, das für Bauwerke mit Wehr- und Festungsarchitektur eine touristische Kulturroute von der Ostsee bis an die Adria anbietet. Kerngedanke: was Europa einst militärisch trennte, wirkt heute als kulturelles Instrument, das die europäische Einigung voranbringt.

Den öffentlichen Bekundungen verschiedener Dezernenten und des Oberbürgermeisters, sich an der touristischen Vermarktung der Festungsbauwerke Erfurts unter dem Dach von „Forte Cultura“ zu beteiligen, sind bis heute keine Taten gefolgt. Erfurt ist weder Mitglied im „Europäischen Festungstourismus und Festungsmarketing Netzwerk“ – das hinter der Marke „Forte Cultura“ steht – noch hat sich die Stadt an den großen Interreg-Projekten der Europäischen Region beteiligt. Interreg-Projekte als Teil der Struktur- und Investitionspolitik der Europäischen Union haben das Ziel, grenzüberschreitende Kooperation zwischen Regionen und Städten zu fördern. 2009 war Erfurt im Rahmen von Interreg als „Lead-Partner“ vorgesehen. 250.000€ in einem Zeitraum von drei Jahren waren für Erfurt eingeplant. Kurz vor Antragstellung erfolgte jedoch die Absage der Stadt Erfurt. Das Projekt wurde verspätet mit anderen Partnern umgesetzt. Das folgende Interreg-Projekt ab 2015 soll Festungsbauwerke mit der Kultur- und Kreativwirtschaft verbinden. Auch hier hat Erfurt nicht kooperiert, obwohl es großes Potential in der Stadt gibt und Nutzungsmöglichkeiten für leerstehende Gebäude auf dem Festungsareal bestehen.

Hintergrundinformationen

Europäisches Festungstourismus und Festungsmarketing Netzwerk und „Forte Cultura“

Das Europäische Festungstourismus und Festungsmarketing Netzwerk ist eine Vereinigung von Festungsmonumenten. Als Nicht-Regierungsorganisation will sie den europäischen Festungstourismus und das internationale Festungsmarketing auf eine neue Qualitätsstufe heben. Tourismus soll neue Einnahmen für die Erhaltung und Nutzung des Kulturerbes Festungsmonumente generieren.
Mit der Europäischen Kulturroute FORTE CULTURA ist eine internationale Marke des Festungstourismus und ein wettbewerbsfähiges touristisches Produkt geschaffen worden, welches in transnationaler Kooperation weiter ausgebaut werden wird. Die Kulturroute bietet jedem Festungsmonument die Chance zur Vernetzung und Entwicklung neuer, gemeinsamer Tourismusprodukte.
Das Netzwerk bietet eine breite Palette moderner Marketinginstrumente und gezielter Marketingaktivitäten, die speziell auf den Bedarf der Festungsmonumente ausgerichtet sind. Die teilnehmenden Festungsmonumente erreichen eine breite Präsenz an den internationalen Tourismusmärkten.
www.forte-cultura.eu/de/

Interreg

Interreg, oder wie es offiziell heißt, die “europäische territoriale Zusammenarbeit”, ist Teil der Struktur- und Investitionspolitik der Europäischen Union. Seit mehr als 20 Jahren werden damit grenzüberschreitende Kooperationen zwischen Regionen und Städten unterstützt, die das tägliche Leben beeinflussen, zum Beispiel im Verkehr, beim Arbeitsmarkt und im Umweltschutz. Interreg wird in drei Schwerpunkten (sogenannten Ausrichtungen) umgesetzt.
www.interreg.de